Page 13 - Weingarten Info 2021/22
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historisch











            tum der Pfalzgrafen bei Rhein, einer Linie des Hauses  notwendigen Mittel hatten, kam es zum Bau neuer
            Wittelsbach.                           Kirchen. Mittlerweile haben sich acht Religions -
                                                   gemeinschaften in Weingarten etab  liert.
            Die Weingartener Gewannnamen sind bleibende
            Zeugen einer wechselvollen, bewegten, aber tradi-  Die kurpfälzische Weinbaugemeinde Weingarten
            tionsreichen Weingartener Geschichte. Hierzu ge-  wurde in ihrer tausendjährigen Geschichte mehrfach
            hört z.B. eine germanische Thingstätte, die auf einer  zerstört und die Dorfbevölkerung durch Seuchen,
            kleinen Anhöhe, dem „Stalbühl“, im Bereich des  Frondienste, Krieg und Brandstiftung immer wieder
            Naturschutzgebietes „Weingartener Moor“, errich-  schwer in Mitleidenschaft gezogen.
            tet wurde. Das Naturschutzgebiet „Weingartener
            Moor“, in dem mit Unterbrechung bis zum Jahr  Die   Ortsmitte
            1920 noch Torf gestochen wurde, ist ein Überrest
            des Kinzig-Murg-Stromes der Urzeit. Durch ihn sind
            im Laufe der Jahrtausende die Ober rheinische Tief-
            ebene, deren Sand- und Kiesbänke, aber auch
            Moorlandschaften entstanden. Das „Weingartener
            Moor“ ist heute ein Biotop für seltene Tier- und
            Pflanzenarten, die teilweise vom Aussterben be-
            droht sind.

            Die heutige Bundesstraße 3 wurde in der Römerzeit                         Foto: www.walksches-haus.de
            als Heeres- bzw. Nachschubstraße für die römischen
            Legionen angelegt und später als Handelsstraße
            genutzt. Als Zollstation zwischen Karlsruhe und
            Bruchsal diente das „Werrahäusle“, an der südli-  Das Walk'sche Fachwerkhaus aus dem Jahre 1701
            chen Gemarkungszone zu Grötzingen gelegen, bis  prägt heute, ansprechend restauriert, mit dem of-
            zum Jahre 1803.                         fenen Lauf des Walz bachs, dem Rathaus aus dem
                                                    Jahre 1901 und den beiden Kirchen den Ortsmit-
            Zur Beobachtung der Straßen, die zu den Nachbar-  telpunkt in bewundernswerter Harmonie.
            gemeinden führten, wurde 1589 der Wartturm auf
            dem Turmberg erstellt. Durch seinen idealen Stand-
            ort ermöglichte er eine ständige Beobachtung der  Als kurpfälzische Exklave, an der Pforte zur Markgraf-
            Gemeindegrenzen. In ihm wurden kurpfälzische Ge-  schaft Durlach gelegen, war es um Weingarten nie be-
            leitmannschaften untergebracht. Heute ist der Turm  sonders gut bestellt. Dies änderte sich erst mit dem
            ein Weingartener Wahrzeichen. Derzeit ist darin  Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1803, durch
            eine heimatgeschichtliche Ausstellung des Bürger-  den alle kurpfäl zischen und im Adels- sowie Kirchen-
            und Heimatvereins untergebracht.       besitz befindlichen Orte des Kraichgaus der Markgraf-
                                                   schaft Baden-Durlach, dem späteren Großherzogtum
            Ein seltenes Bild zeigen die zwei friedlich nebenein-  Baden, zugeordnet wurden. Für Weingarten begann
            ander stehenden Kirchen im Ortsmittelpunkt von  damit eine Zeit des wirtschaftlichen und sozialen Auf-
            Weingarten. Chris ten in Weingarten verhielten sich  stiegs. So wurde bereits im Jahr 1823 die ortsprä-
            stets ökumenisch und benutzten viele Jahrhunderte  gende Marktbrücke erbaut und dem Ortsmittelpunkt
            eine Simultankirche. Erst als beide Konfessionen die  angepasst.



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