Page 8 - Tettnang Info 2022/2023
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Leben in Tettnang





                         Aus der Geschichte






                         Tettnang liegt hoch über dem Schussental auf einem Hügelrücken, etwa acht Kilometer von den
                         Ufern des Bodensees entfernt. In einer wechselvollen Geschichte entwickelte sich Tettnang seit der
                         ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 882 zur drittgrößten Stadt im Bodenseekreis.






                                                                      Treffend wird Tettnang auch als die kleine Residenz charakte-
                                                                      risiert, was dem heutigen Erscheinungsbild mit den drei
                                                                      Schlössern ebenso entspricht wie der historischen Bedeutung
                                                                      der Stadt, deren Residenzcharakter ihre Geschichte durch
                                                                      Jahrhunderte bestimmt hat.
                                                                      Im Jahre 882 wurde „Tetinanc" erstmals urkundlich genannt.
                                                                      Der Name des Ortes setzt sich aus dem seines Gründers Tetto
                                                                      und „wang" als Bezeichnung für ein Feldstück zusammen. In
                                                                      der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts bauten die Grafen von
                                                                      Bregenz eine Burg an der Stelle des heutigen Neuen Schlosses.
                                                                      Bei der zweiten Teilung des Hauses Montfort 1268 fiel Tett -
                                                                      nang an Graf Hugo III. Im Gegensatz zu seinen Brüdern, die
                                                                      mit Bregenz und Feldkirch ansehnliche Städte erhielten, fand
                                                                      er nur ein kleines Dorf vor. Konsequent betrieb er die Grün-
                                                                           dung und den Ausbau der Stadt. Am 1. Dezember 1297
                                                                             erwirkte Hugo III. für Tettnang die Stadtrechte.
                                                                               Tettnang wurde von einem gräflichen Ammann
                                                                                mit Bürgermeister und Rat verwaltet. Die Bür-
                                                                                 ger erhielten im 14. Jahrhundert zahlreiche
                                                                                 Privilegien und konnten sich 1578 von der
                                                                                 Leibeigenschaft freikaufen.

                                                                                Der Bau des Neuen Schlosses 1712-1720 und
                                                                               dessen Instandsetzung nach dem Brand von
                                                                               1753 trieb die Grafen in die Hände ihres Gläubi-
                                                                               gers, des Hauses Habsburg, das im Jahr 1780 die
                                                            Das Tettnanger Siegel   Grafschaft Montfort mit der Stadt  Tettnang
                                                             aus dem Jahr 1409  übernahm.

                                                                      1805 musste Österreich neben anderen Gebieten Tettnang an
                                                                      Bayern abtreten. Durch den Pariser Vertrag vom 18. Mai 1810
                                                                      kam die Stadt an das Königreich Württemberg.
                                                                      Tettnang blieb bis zum Zweiten Weltkrieg ein von ländlicher
                                                                      Struktur geprägtes Gemeinwesen. Auch heute noch sind der
                                                                      Obstbau und der seit 1844 betriebene Hopfenanbau von
                                                                      großer wirtschaftlicher Bedeutung. Darüber hinaus wurde
                                                                      das Handwerk ausgeweitet, das schon seit Jahrhunderten in
                                                                      Tettnang heimisch war. Entscheidende Wachstumsimpulse
                                                                      gelangen mit der Ansiedlung eines ersten Elektronik-Betrie-
                                                                      bes 1956 und der Gründung der Elektronikschule 1964. Heute
                                                                      zählt die Elektronikindustrie in Tettnang mit über 2.000 Ar-
                                                                      beitsplätzen in mehreren mittelständischen Unternehmen zu
                                                                      den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Stadt.







                                                                      Neues Schloss Tettnang, um 1760
                                                                      von Joseph Johann Kauffmann
                                                                      Wikipedia, eingescannt aus: Mark Hengerer und Elmar L. Kuhn: Adel im Wandel;
                                                                      Oberschwaben von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart

                                                                                                     Bürgerbuch 2022/23
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