Page 10 - Tettnang Info 2017/18
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Leben in Tettnang



                         Aus der Geschichte






                         Tettnang liegt hoch über dem Schussental, 466 Meter über dem Meer, auf einem
                         Hügelrücken, etwa acht Kilometer von den Ufern des Bodensees entfernt.

                         In einer wechselvollen Geschichte entwickelte sich Tettnang seit der ersten
                         urkundlichen Erwähnung im Jahr 882 zur drittgrößten Stadt im Bodenseekreis.































                         Treffend wird Tettnang auch als die kleine Residenz charakte-  wirtschaftlichen Mittel-
                         risiert, was dem heutigen Erscheinungsbild mit den drei  punkt seiner Herrschaft
                         Schlössern ebenso entspricht wie der historischen Bedeutung  die Stadt Tettnang. Ob-
                         der Stadt, deren Residenzcharakter ihre Geschichte durch  wohl die Stadt bereits ei-
                         Jahrhunderte bestimmt hat.                   nige Zeit besteht, wird ihr
                                                                      erst 1297 durch König Adolf
                         Die erste urkundliche Erwähnung des Namens  Tetinanc  das Stadtrecht verliehen. 1330
                         stammt aus dem Jahre 882, als ein gewisser Cunco seinen Be-  erhalten die Grafen auch die
                         sitz im Argengau dem Kloster St. Gallen vermacht. Zwischen  Erlaubnis, ihre Stadt mit Mau-  Das Tettnanger Siegel
                         1112 und 1154 erbauen sich die Grafen von Ar gengau – genannt  ern und Gräben zu befestigen.  aus dem Jahr 1409
                         die Grafen von Bre genz – nahe dem Dorf Tettnang eine Burg,
                         als deren Besitzer ein Graf Cuno von Tettnang erstmals er-  Der Bau des Neuen Schlosses 1712-1720 und dessen Instand-
                         wähnt wird.                                  setzung nach dem Brand von 1753 treibt die Grafen in die Hän-
                                                                      de ihres Gläubigers, des Hauses Habsburg, das die Grafschaft
                         Als bald nach der Erbauung der Burg das Bregenzer Grafenge-
                         schlecht ausstirbt, erbt die einzige Tochter des letzten Grafen  Montfort und die Stadt Tettnang 1780 übernimmt. 1787 stirbt
                         den von der Schussen bis nach Graubünden reichenden Be-  mit Anton IV. der letzte Montfortgraf. 1805 übernimmt Bayern
                         sitz. Dieser fällt an ihren Gatten Pfalzgraf Hugo von Tübingen;  nach dem Pressburger Frieden die Grafschaft, nach dem Pari-
                                       nach dessen Tod erhält der ältere Sohn  ser Vertrag vom 18. Mai 1810 wird das Gebiet Württemberg zu-
                                        Rudolf das väterliche Erbe um Tübin-  geschlagen.
                                        gen, dem jüngeren Sohn Hugo fällt das  Tettnang blieb bis zum 2. Weltkrieg ein von ländlicher Struktur
                                        mütterliche Erbe am Bodensee und  geprägtes Gemeinwesen. Auch heute noch sind der Obstbau
                                        Vorarlberg zu. Graf Hugo I. verlegt sei-  und der seit 1844 betriebene Hopfenanbau von großer wirt-
                                        nen Sitz von Bregenz auf die Burg Mont-  schaftlicher Bedeutung. Darüber hinaus wurde das Hand-
                                        fort (nahe Feldkirch), nach der sich das  werk ausgeweitet, das schon seit Jahrhunderten in Tettnang
                                         Grafengeschlecht fortan benennt.  heimisch war. Entscheidende Wachstumsimpulse gelangen
                                                                      mit der Ansiedlung eines ersten Elektronik-Betriebes 1956 und
                                          Der Besitz des Hauses Montfort zer-  1964 mit der Gründung der Elektronikschule. Heute zählt die
                                          splitterte jedoch durch Erbteilung  Elektronikindustrie mit ca. 2.500 Arbeitsplätzen zum wich -
                                         sehr rasch und umfasst nach 1260 le-  tigs ten Wirtschaftsfaktor der Stadt.
                                          diglich noch das Gebiet von der
                                           Schussen bis zur Leiblach. Graf  Nach der Gemeindereform 1972 ist Tettnang durch die Einge-
                                             Hugo III., der dieses Gebiet  meindungen von Tannau, Langnau und Kau zur drittgrößten
                                               erbt, wählt Tettnang zu sei-  und flächengrößten Gemeinde des Bodenseekreises gewor-
                                                ner Residenz. Er gründet als  den. Tettnang hat heute über 19.400 Einwohner.


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